Mad BusienssEs ist nicht so einfach gute und unterhaltsame Bücher zum Thema Business und Führung zu finden. Sie sollen ja auch etwas brauchbares vermitteln und nicht nur Platitüden verbreiten. Man möchte nach der Lektüre schlauer sein, als davor und nicht an seine Unizeiten mit wissenschaftlichem Kauderwelsch erinnert werden. Es soll unterhaltsam sein und aus der Praxis für die Praxis. „Mad Business“ ist so ein Buch. Hier erfahren Sie, was Sie eigentlich gar nicht wissen wollen. Nämlich wie  Konzern-Führungskräfte ganz ohne gesunden Menschenverstand mit ausschließlich Riesen-Ego und ans psychopathisch grenzenden Eigenschaften Mitarbeiter, Chefs, Kunden und die Wirtschaft für blöde verkaufen. Das ganze wird „bewiesen“ durch viele echte Zitate von CEOs und anderen Chefs, Leadern, Managern. Ein riesen Spass. Wenn es nicht so traurig wäre.

Business in Konzernen ist die Schau

„Klartext über den Wahnsinn in den Führungsetagen großer Konzerne. Authentische und haarsträubende Insiderberichte. Großes Budget, großes Ego, mit allen Wassern gewaschen – das ist Topmanager Paul Hecht. In „Mad Business“ redet er Klartext und enthüllt, was wirklich hinter den glitzernden Fassaden der Großkonzerne geschieht. An seiner Seite erleben die Leserinnen und Leser eine Woche ungeschminkten Business- und Strategiewahnsinns und erfahren dabei erstmals, mit welch erschreckenden Mitteln über das Wohl Hunderttausender entschieden wird. Sie nehmen an kafkaesken Meetings mit dem Betriebsrat teil, erfahren eine Menge über Intrigen im Fahrstuhl und erleben schließlich Paul Hechts Rauswurf hautnah mit“, so der Verlagstext.

Etwas reißerisch, meinen Sie? Im Gegenteil, das ist noch untertrieben. Was der Manager Paul Hecht treibt grenzt nicht nur ans Kriminelle. Es ist kriminell. Er ist sich natürlich keiner Schuld bewusst – das machen ja alle so. Seine Gegenspieler im Unternehmen tun es ihm gleich. Da wird gelogen, betrogen, taktiert, missbraucht und gelächelt. Bis auf das Letzte alles Dinge, die wir mühsam versuchen von unseren Kindern wegzuhalten. In deutschen Konzernen offensichtlich ganz normal. Apropos Kinder: eigentlich sind die Chefs eher wie Kinder, die auf Ihre Spielzeuge aufpassen (köstlich) – gespickt ist das Buch mit Zitaten anonymer Manager aus verschiedenen Konzernen. Nix Fiktion – das geht da wirklich so ab. Lernen Sie: ganz einfach so nicht machen und Sie könnten eine gute Führungskraft werden.

„Der Geschäftsführer legt sehr viel Wert auf sein Eckbüro mit mindestens drei Fenstern. Seine Mitarbeiter dürfen maximal zwei Fenster und natürlich kein Eckbüro haben.“ Aus einem Handelsunternehmen

Big Business: der Mensch ist wurscht

Besonders interessant ist, wie die Führungs-Egomanen mit den Leuten umgehen. Mit Mitarbeitern, Kollegen, den eigenen Chefs – Kunden kommen in dem Buch kaum vor. Das ist wie im richtigen Leben. Für Kunden und Geschäfte haben Führungskräfte in großen Unternehmen im Prinzip keine Zeit. Sie müssen Projekte umsetzen (z.B. Mitarbeiterabbau), für „wichtige“ Meetings um die halbe Welt jetten und sich vor allem um Ihre Karriere kümmern. Das tun Sie dann aber mit Hingabe und Leidenschaft. Bis es sie dann selbst erwischt. Auch das ist fast schon die Regel. Paul Hecht fliegt am Ende selbst aus dem Konzern. Dankbarkeit gibt es nicht. Dafür wird man schließlich gut bezahlt.

„In jedem Unternehmen gibt es Low-Performer. Wenn du von denen etwas brauchst oder gar auf sie angewiesen bist – das ist jedes Mal ein Horror. Besser, man trennt sich von denen.“ Automobilbranche

No Business: es geht gar nicht ums Geschäft

So ein Konzernleben besteht aus Meetings, Positionen, Zahlen, Präsentationen, Reisen, Kontrolle, Status, Politik und ein bisschen was mit Menschen. Natürlich übertreiben die Autoren in allem was sie da erzählen. Ist ja schließlich Realsatire. Oder doch nicht. Man weiß es nicht genau. Ich befürchte allerdings, dass das was die Autoren beschreiben, sehr nahe an der echten Welt ist. Es kommen eine Menge echter Manager zu Wort – anonym versteht sich.

“ Paul Hechts Geschichte basiert auf rund drei Dutzend Insider-Interviews mit Managern aus zehn verschiedenen Branchen. 25 Prozent von ihnen sind CEOs, ein Drittel ist weiblich, und alle sind aktuell im deutschsprachigen Raum aktiv. Die Gesprächspartner haben den Autoren in geheimen Interviews wahre Geschichten und kritische Einschätzungen anvertraut, die sie so niemals öffentlich aussprechen würden.“ (Campus)

Für frische Konzernmanager könnte das Buch überlebenswichtig sein. Wer da unbedarft hineingerät, wird zermalen und in kleinen Stücken wieder ausgespuckt. Allen anderen verschafft es einen schönen Einblick in eine Subkultur, mit der man besser weniger zu tun hat. Ähnlichkeiten mit der Politik sind zufällig. Es geht um Status, Macht und Ego und die immer wieder auftauchende Frage „wer den Größeren hat“ (gilt übrigens auch für Frauen in entsprechenden Positionen – Biologie ist da egal).

Buchtipp:

Joerg Bartussek, Oliver Weyergraf:
Mad Business –  Was in den Führungsetagen der Konzerne wirklich abgeht
Campus Verlag, Gebunden, 240 Seiten, 22,99 € (D)
ISBN 978-3-593-50124-6

 

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