Führung in Studien kommt oft schlecht weg. „Die Identifikation mit der eigenen Arbeit ist bei den meisten Arbeitnehmern erschreckend gering. Das Marktforschungsinstitut Gallup bezeichnet diese Beschäftigten als „unengagiert bis hin zur inneren Kündigung“.[1] Als Hauptverursacher dieses Trends benennt das Institut das Management: Viele Beschäftigte haben das Gefühl, dass ihre zentralen Bedürfnisse und Erwartungen von ihren direkten Vorgesetzten teilweise oder völlig ignoriert werden.“[2]

Gute Führung ist machbar

Dabei ist es für die meisten Chefs übersichtlich. „Die Mehrheit (52 Prozent) der Vorgesetzten führt weniger als zehn Mitarbeiter. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Führungskräften liegt bei 43,3 Stunden pro Woche.“[3] Ich kenne nur Chefs, die nach eigenen Aussagen bei mindestens 60 Stunden pro Woche liegen. Vielleicht erwägen deshalb knapp 41 Prozent der Führungskräfte, nicht weiter aufzusteigen und knapp 78 Prozent der älteren Chefs einen freiwilligen Abstieg in der Hierarchie. Allerdings wollen über drei Viertel der deutschen Führungskräfte auch im Rentenalter weiterarbeiten.[4] So schlimm kann es also nicht sein. Weshalb also ist Führung in Studien oft „unterirdisch“?

Viele Stunden gleich gute Führung?

Andere Studien weisen auf eine ansteigende Wochenarbeitszeit von Führungskräften hin. Das kann ich aus der Praxis bestätigen. Für manchen Manager ist ein volles Zeitkonto oft auch Beweis für Leistung und ein Faktor gut dazustehen. Das ist in Bezug auf gute Führung Unsinn. Und Zeit hat, neben der reinen Belastung und damit fehlender Balance, eine ganze Menge mit Selbstorganisation und Selbstverantwortung zu tun, „da Zeitmangel unter anderem daraus resultiert, dass Führungskräfte glauben, vieles ,selbst machen‘ zu müssen.“[5] Das basiert auf fehlendem Zutrauen in die eigenen Leute, die auch deswegen zum Dienst nach Vorschrift neigen.

Führung in Studien: Alles nicht so schlimm?

Eine Studie des Unternehmensberaters Towers Watson kommt bezüglich Engagement der Mitarbeiter zu einem freundlicheren Ergebnis. „Der Studie (…) zufolge leisten in Deutschland ,nur‘ 47 Prozent der Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift.“[6] Allerdings finden die Befragten auch hier Optimierungspotenzial für bessere Führung.

„Gute Arbeit bescheinigen deutsche Arbeitnehmer ihrem Top-Management in puncto Außendarstellung: 60 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass es den oberen Führungskräften in ihrem Unternehmen gelinge, ein positives Bild der Organisation nach außen zu tragen.“ Nach innen sieht das schlechter aus. Nur die Hälfte sagt, die Führungskräfte gingen kontrolliert, ruhig und souverän mit den Leuten um. Ebenfalls nur jeder zweite meint, dass die Führungskräfte „kulturelle und individuelle Unterschiede genügend beachten“.

Die direkten Vorgesetzten haben nach Ansicht der Befragten Mitarbeiter Defizite in der Entwicklungs- und Motivationsarbeit. Auch sie sind nach Aussagen der eigenen Leute nur wenig effizient in ihrer Führungsarbeit. Gerade bei den persönlichen Faktoren kommen die Chefs bei den Arbeitnehmern nicht gut weg.

Gute Führung geht doch

Es kamen auch positive Ergebnisse heraus. „So sind etwa gut zwei Drittel der Befragten der Meinung, ihr Vorgesetzter behandle sie respektvoll. Und 59 Prozent bestätigen ihrem Boss, dass er ihnen Aufgaben delegiere, die ihren Fähigkeiten entsprechen.“[7]

Die Menschen wollen gefördert und gefordert werden, sie legen Wert auf Fairness und Anerkennung, sie fordern Respekt und sinnvollen Einsatz nach den eigenen Fähigkeiten. Das klingt nach gesundem Menschenverstand und ist gar nicht so schwierig. Hoffen wir, dass Führung in Studien nicht nur bald besser abschneidet, sondern auch besser ist.

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[1] http://www.download.ff-akademie.com/Gallup-Studie.pdf
[2] http://www.download.ff-akademie.com/Gallup-Studie.pdf
[3] http://www.haufe.de/personal/hr-management/gallup-studie-innerliche-kuendigungen-auf-niedrigem-stand_80_296180.html, 19.12.2015
[4] http://www.brandeins.de/archiv/2015/fuehrung/fuehrung-in-zahlen, 25.01.2016
[5] Pauls Saulus: Führen ohne Leiden, Springer Gabler, 2015, Kindle-Version, Position 435
[6] http://www.haufe.de/personal/hr-management/gallup-studie-innerliche-kuendigungen-auf-niedrigem-stand_80_296180.html, 19.12.2015
[7] http://www.haufe.de/personal/hr-management/studie-top-manager-gute-aussendarstellung-schlechte-intern_80_293756.html

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