Seniorchefs neigen zur Selbstüberschätzung, was die eigenen Führungsqualitäten betrifft. Das fand die Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF) über eine Umfrage heraus. Die Coaching-Praxis bestätigt das Ergebnis schon seit Jahren. Selbstüberschätzung, falsches Selbstbild, schwache Kommunikation und fehlende Kultur prägen schlechte Führung und schwache Chefs. Sie sollen teilweise sogar psychopathisch und narzisstisch veranlagt sein. Dabei war es gar nicht das Ziel der Befragung, zu zeigen, dass Chefs viel Luft nach oben haben.

„Die izf wollte eigentlich wissen, was Führung zukunftsfähig macht und hat das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt in den Führungsetagen deutscher Unternehmen nachzufragen: Was muss ein guter Chef draufhaben, wie sollte eine gute Chefin sein? Die Antworten auf diese Fragen fielen wenig überraschend aus: Kritikfähig muss der perfekte Chef sein, Aufgaben und Verantwortungen delegieren, Entscheidungen treffen und auch zu ihnen stehen. Die perfekte Führungskraft sollte ihren Mitarbeitern konstruktives Feedback geben, die Leistungen anerkennen, teamfähig sein.“ (1)

Führungsdilemma Selbstüberschätzung

Über 60 Prozent der befragten Nachwuchsführungskräfte geben an, dass der eigene Chef so gut wie nicht kritikfähig ist. Nur jeder dritte Befragte mein, vom Chef gefördert, begleitet und überstützt zu werden. Auch anderes „neumodisches Zeugs“, wie flexible Arbeitszeiten oder Work-Life-Balance finden in den Köpfen der saturierten Vorgesetzten eher selten statt. Und nur 20 Prozent der befragten Nachwuchsführungskräfte halten die eigenen Chefs für zukunftsfähig. Das deckt sich mit Ergebnissen einer anderen Studie, die besagt, dass Nachwuchsführungskräfte bei den Vorgesetzten vor allem Integrität, Aufrichtigkeit und Fairness vermissen, wobei das gleichzeitig deren wichtigste Werte darstellen.

Die Seniorchefs halten sich für prima

Ein Mann wie Winterkorn hat mit dem VW-Abgasskandal eines der größten Desaster in der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu verantworten. Dahinter stecken unter anderem Selbstüberschätzung und Charakterlosigkeit. Winterkorn kassiert für 2015 trotz des Desasters 7,3 Millionen Euro. Juristisch korrekt, moralisch verwerflich, menschlich unanständig. Auch die befragten Seniorchefs in der IFZ-Studie neigen zu verschobenen Selbstbildern. Während die Nachwuchsleute ihnen schlechte Zeugnisse ausstellen, klopfen sie sich auf die Schultern.

„80 Prozent sind sehr zufrieden mit sich und ihrem Führungsstil. »Es überrascht, wie viele gegensätzliche Ergebnisse die Studie liefert und wie weit die Wahrnehmungen von Führungskräften und Nachwuchs auseinanderliegen«, so Menno Harms, Vorsitzender der IZF. Führungskräfte bringen ihrer eigenen Einschätzung nach ganz überwiegend die notwendigen Kompetenzen und Verhaltensweisen mit.“ (1)

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  1. http://www.wiwo.de/erfolg/management/selbstueberschaetzung-nur-die-chefs-selbst-glauben-an-ihre-fuehrungsqualitaeten/13516488.html
  2. Quelle: Basis: Bundesrepublik Deutschland, Führungskräfte Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 7224 Daten
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