Essentialismus ist eine neue alte Bewegung. Essenzielles, also wirklich Wichtiges, vom Unwichtigen trennen zu können, schafft Leichtigkeit. Das ist, was viele Unternehmer, Selbständige und Führungskräfte vermissen – ich übrigens auch oft. Erstaunlich ist, dass es auch noch zum Erfolg verhelfen soll, das Gelbe vom Ei trennen zu können.

Essentialismus – weniger, aber besser

Essentialismus bedeutet nicht zu verzichten. Es bedeutet, die richtige Wahl zu treffen, Belangloses wegzulassen und zu gewinnen: Lebenszeit, Bedeutung, Sinn, Erfolg.

Ich kenne Manager und Unternehmer, die Angst haben, bei einer Sitzung oder einem Call nicht dabei zu sein. Nicht weil das wichtig wäre, sondern weil sie etwas verpassen könnten. Manche meinen auch, sie wären so wichtig, dass… aber gut, das ist ein Thema für einen guten Therapeuten. Diese Leute arbeiten dabei nicht wirklich, und tragen so auch nicht zum Erfolg des Unternehmens bei. Sie betrügen sich und das Unternehmen. Bis zu 70 Prozent Ihrer Zeit verbringen Manager in Meetings – in 80 Prozent der Fälle haben sie dort nichts zu suchen.

Mehr Lebenszeitverschwendung und Energievergeudung geht nicht. Aber bevor diese Leute Schnappatmung bekommen und Panik schieben, klinken Sie sich lieber auch in belanglose Meetings ein. Und diese Energievergeudung trifft nach Essentialismus-Experten auf fast alles im Leben zu. Ich gebe zu, ich überlege, während ich diesen Artikel schreibe, ob das gerade wirklich sein muss…

Essentialisten sind mehr durch weniger

„Es gibt weitaus mehr Aktivitäten und Möglichkeiten in der Welt, als uns an Zeit und Ressourcen zur Verfügung stehen, die wir in sie investieren könnten.“ Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, „dass die meisten belanglos und nur wenige unverzichtbar sind. Der Weg des Essentialisten bedeutet zu lernen, den Unterschied zu erkennen – zu lernen, alle Optionen zu filtern und nur die auszuwählen, die wirklich wesentlich sind.“ (Greg McKeown)

Impuls 1: Das meiste, was wir tun, ist belanglos und nur weniges ist unverzichtbar. Sie haben nur begrenzt Energie zur Verfügung. Nutzen Sie sie für das Unverzichtbare und Bedeutende.

Wie viele Prioritäten haben Sie so?

Das Wort Priorität wurde erst im 15.Jahrhundert in die englische Sprache übernommen. Es bezeichnete die eine wichtigste Angelegenheit. Rund 500 Jahre wurde es weiter im Singular verwendet – das hat wohl mit „einzig“ zu tun.

Nicht dass früher alles besser war. Heute haben Menschen und Manager im Schnitt Prio 01 bis Prio 10. Quasi nichts hat wirklich Priorität. Die Kraft und Energie, die sie zur Verfügung haben teilen sie auf. Stellen Sie sich vor, sie fokussierten die ganze Energie auf die eine wichtigste Sache…

Essentialismus und der Kleiderschrank

Ich habe meinen Kleiderschrank vor kurzem ausgemistet. Ich bin sicher, Sie wollen keine Einzelheiten wissen. Der Kleiderschrank ist eine schöne Metapher für ein zu volles und fremdbestimmtes Leben – mache Dinge hat man gar nicht selbst gekauft. Drin hängen zu 80 bis 90 Prozent Textilien, die wir nicht tragen. Es kommen auch immer mehr dazu, die wir nie tragen.

Genauso ist es mit Verpflichtungen. Selbstauferlegte, wie das Teilnehmen an sinnlosen Meetings. Oder noch schlimmer, geforderte sinnlose, wie das Teilnehmen an Regelmeetings oder das Schreiben von überflüssigen Berichten. Um das in den Griff zu bekommen, schlägt der Essentialist Greg McKeown eine Verschlankungsmethode in drei Schritten vor.

Ohne Mehr gibt es kein Weniger

Ja, man muss erst einmal etwas zusätzlich tun, damit man sicher die Spreu vom Weizen trennen kann und das Gelbe vom Ei erhält. Das aktuell jeweils Wichtigste, Bedeutsame zu ermitteln ist ja nicht so ganz einfach.

  1. Recherchieren und Bewerten
    Journalisten lernen das. Das heißt auch, es kann nicht so schwer sein und Sie können sich das aneignen. Fragen stellen ist dabei das Wichtigste. Stellen Sie konkrete und harte Fragen. Für den Kleiderschrank: Nicht „Könnte ich das irgendwann einmal brauchen?“, sondern „Hängt mein Herz daran und trage ich es mindestens einmal in der Woche?“. Wenn nicht, dann raus! Für den Job: „Bringt diese Aktivität einen Beitrag zum Erreichen der Ziele oder zur Lösung eines Problems?“ Wenn nicht,…
  2. Eliminieren
    O.k., Sie müssen jetzt Gewohnheiten aufgeben (die nichts bringen) oder Klamotten weggeben (die Sie nicht tragen) – die Klammern sind hier entscheidend. Essentialisten wissen, „wie man die nicht-essentiellen Dinge streicht, und nicht nur das, Sie lernen auch, wie man sie in einer Art und Weise streicht, die Ihnen den Respekt von Kollegen, Chefs, Kunden und Altersgenossen einbringt.“ (McKeown, S.21)
  3. Umsetzen
    Dauerhaft Essentialist sein befreit und wertet auf. Dazu ist es entscheidend, dass man das Prinzip beibehält – im Privaten, im Beruf, sonst wo. Dazu brauchen Sie zwei Dinge: einen Plan (1-2-3 den haben wir schon) und Disziplin (oh je!).

Impuls 2: „Es geht (…) um eine Disziplin, die man jedes Mal dann anwendet, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, ob man Ja sagen oder höflich ablehnen sollte.” (McKeown, S.23)

Der erste Schritt kann sein, dass Sie sich das Buch, das ich unten empfehle, zulegen und lesen. Oder Sie fangen schon einmal mit Ihrem Kleiderschrank an. Die Frage dazu: „Wird mein Leben besser, wenn ich eines von beidem oder beides tue?“

 

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Quelle und Buchtipp: McKeown, Greg. Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger. Ein neuer Minimalismus erobert die Welt. Unimedica ein Imprint der Narayana Verlag. Link zum Buch bei Amazon
Photo by Adam Nieścioruk on Unsplash

 

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