Eine schöne Metapher für Führung sind Dirigent und Orchester. Für gute Führung geht es nicht um den Dirigenten. Stardirigent Sir Simon Rattle umschreibt das treffend: „Sobald du denkst, es geht um dich, scheiterst du. Wenn man nicht glaubt, dass die Musik das Wichtigste ist, hat man ein Problem.“[i] Sie können das frei auf andere Branchen transferieren. Gute Führung führt im Idealfall zu Mitarbeiter-Motivation, Identifikation mit dem Chef, mit der Abteilung, mit dem Unternehmen, zu Vertrauensaufbau, Einsatz für die Führungskraft, zu sinkenden Fehlzeiten und zu wirtschaftlichem Erfolg. Gute Führung bewirkt Mitarbeiterbindung und hohes Leistungsniveau. Das gelingt nach Studien etwa der Hälfte der Chefs.

Gute Führung gelingt der Hälfte

„Nur jede zweite Führungskraft schafft es, die Leistungspotenziale ihrer Mitarbeiter wirklich auszuschöpfen. Diese Manager realisieren ein leistungsförderndes Arbeitsklima und erwirtschaften dadurch bessere Geschäftsergebnisse als ihre Kollegen.“[ii] Was machen diese 50 Prozent der Führungskräfte besser als die andere Hälfte? Die Studie der Unternehmensberatung Haygroup nennt sechs Faktoren[iii]:

  • Der wichtigste Treiber ist Klarheit: Wissen die Mitarbeiter, was von ihnen erwartet wird und wie ihre eigene Arbeit mit den Unternehmenszielen in Verbindung steht? Zahlreiche Untersuchungen haben belegt, dass diese Dimension des Arbeitsklimas am stärksten mit der Effizienz zusammenhängt.
  • Verantwortung bezeichnet das Maß, in welchem Aufgaben an Mitarbeiter delegiert werden und sie diese auch verantwortlich durchführen können, ohne auf Schritt und Tritt eine Genehmigung ihres Vorgesetzten einholen zu müssen.
  • Standards sind ein Motivationstreiber. Sie zeigen auf, inwiefern Mitarbeiter wahrnehmen, dass ihr Unternehmen großen Wert auf Qualität legt – sowohl bei der Leistung jedes Einzelnen als auch für die Organisation insgesamt.
  • Belohnung ist das Maß dafür, inwieweit die Mitarbeiter überzeugt sind, dass die Vergütung und Anerkennung in direktem Bezug zur individuellen Leistung stehen.
  • Flexibilität reflektiert die Wahrnehmung seitens der Mitarbeiter, ob Vorschriften und Richtlinien wirklich gebraucht oder als purer Bürokratismus empfunden werden.
  • Team Commitment zeigt, inwieweit die Mitarbeiter stolz darauf sind, zum Team zu gehören, ob sie davon überzeugt sind, dass jeder im Team mit hohem Einsatz andere unterstützt und auf das gemeinsame Ziel hinarbeitet.

Mitarbeiter engagieren sich umso stärker, je mehr dieser Treiber aktiviert sind. Machen sich Schwächen in mehreren Bereichen bemerkbar, wirkt das auf das Arbeitsklima neutral oder demotivierend. In einer solchen Arbeitsumgebung tendieren die Mitarbeiter dazu, nur das Nötigste zu tun. Das scheint oft passieren, denn nach Gallup machen 70 Prozent der Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift.

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[i] Marianne Grobner: Lust auf Führung, Führungskraft entwickeln, Hamburg 2016, Kindle-Version, Position 183
[ii] https://www.haygroup.com/Downloads/de/misc/Fuehrung_macht_den_Unterschied.pdf
[iii] https://www.haygroup.com/Downloads/de/misc/Fuehung_macht_den_Unterschied.pdf

Aus: Jürgen Zirbik, Führen mit GMV, Wie Sie mit gesundem Menschenverstand souverän führen, Friendship Verlag, erscheint 2016

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